Die Geschichte der Perlnaofe-Technik
Erzählt von Gunhild Fette
Hallo liebe Spitzen-Freundinnen und -Freunde!
Heute möchte ich Dir die Geschichte von "Perlnaofe" erzählen. Wie meine eigene Technik entstand, mit der Du das traditionelle Handwerk der zauberhaft luftigen Occhi-Spitze mit glitzernden Glasperlen verbinden kannst.
Wie meine Passion begann
Seit über 45 Jahren gehe ich Handarbeits-Techniken auf den Grund. Das ist meine Passion, ist meine Freude und sind meine Gaben, die mir in die Wiege gelegt wurden. Dafür bin ich sehr dankbar. Und nutze sie, um Dir mit Freuden die Techniken für Deine Hobbies zu erklären, …
bis Du verstehst, wie es geht …
Das Knips-Täschchen
Bereits mit 12 Jahren entfaltete ich meine Liebe zu Handarbeitstechniken. Und eroberte das große wunderbare Handarbeits-Bücherregal in meiner Stadtbücherei. Mein erstes Occhi-Büchlein fand ich mit 14 Jahren als Teenager. Es war ein kleines rotes Taschenbuch von Gisela Graft-Höfgen. Die kleinen zarten Knoten faszinierten mich.
Die ersten Sigma Schiffchen in weiß und blau erstand ich im damals noch vorhandenen Handarbeitsladen am Marktplatz in unserer Stadt Detmold, nebst weißem Baumwollgarn. Die ersten Ringe und Bögen entstanden nach einigem Tüfteln mit Stolz. Als 14-Jährige war mein Bedarf an klassischen Spitzen-Deckchen oder Blusenkragen jedoch mäßig *grins*.
So legte ich stolz meine kleinen ersten Spitzen-Schätze in ein Knips-Täschchen meiner Oma - ohne zu ahnen, dass mich diese Technik Jahrzehnte später wiederfinden würde …
Glasperlen und Occhi
Meine Occhi-Schätze ruhten mehr als 2 Jahrzehnte bis zu meiner nächsten Begegnung mit der Occhi-Spitze.
Damals stellte ich begeistert aus zauberhaften Glasperlen gefädelten Glasperlen-Schmuck her. Das war auch zu der Zeit, als ich erste zaghafte Versuche mit meinem ersten PC machte, um nach Glasperlen-Schmuck auch mal im internationalen "Datenall" zu schauen. Die Suche war noch recht mühsam und es dauerte immer viele Minuten, bis ein Bild zu sehen war.
So entdeckte ich "zufällig" russischen Spitzenschmuck mit dem Namen "Ankars". Zu sehen, waren Kragen und daraus abgeleitet, Colliers aus Occhi-Schiffchenspitze, die mit großen schweren Halb-Edelstein-Perlen verbunden waren. Ankars wurde Ende der 1990er Jahre in Russland von Rina Stepnaya und Freunden entwickelt. Durch weitere Recherche fand ich auch Beanile Schmuck. Eine russische Spitzen-Künstlerin Nina Libin, seit 1990er Jahren in den USA lebend, kombinierte Occhi mit jeweils nur einer Sorte Rocailles zu Schmuck.
Dann entdeckte ich sogar eine Anleitung zu einem Ankars-Collier, die man tatsächlich als digitales PDF kaufen konnte. Eine unglaubliche Option in der damaligen Zeit. Irgendwann hatte ich sie in Händen. Doch ich musste feststellen, dass lediglich die grafische Darstellung der Occhi-Spitze gezeigt wurde. So konnte man die Spitze knoten, wenn man die Technik der Schiffchenspitze beherrscht. Anschließend wurde aber nur geschrieben, dass man Perlen aufnäht. Es fehlten die Informationen, welche Perlengrößen verwandt wurden, oder wie man sie aufnäht. Das war sehr enttäuschend.
Diese Anleitung gesellte sich deshalb zum Knips Täschchen …
Inspriation
Die Fotofunde von Beanile und Ankars waren damals wohl eine Inspiration. Meine Liebe zu der bunten und schillernden Glasperlen-Vielfalt einerseits und der zarten Occhi-Spitze andererseits, weckte in mir den Wunsch, beides zu verbinden. Ich wollte damit Altes neu beleben und für jüngere Generationen ansprechend machen. Aber weder wollte ich nur eine Sorte kleiner Rocailles mit der Spitze verbinden, wie es Beanile Art war. Noch wollte ich große opulente Halb Edelsteine aufnähen, wie es Ankars Art war. Mir schwebte mein ganz eigener, romantischer, leichter Schmuckstil vor, leicht wie eine Occhi-Spitze.
Dann entdeckte ich auf einer Handarbeitsmesse Nadelocchi. Frau Rohlfs von Handarbeiten Köster zeigte mir, wie sie den Nadel-Knoten knüpft und einen Ring an einen Bogen hängt.
Das fand ich äußerst spannend und wollte mehr über diese Technik Nadelocchi erfahren. Man schlingt die Knoten auf ein circa 13 cm lange stumpfe Occhinadel mit Öhr. Um alle meine Fragen zur Technik zu klären, studierte ich dann im Eigenstudium das Nadelocchi, da es kaum deutsche Lehrwerke gab. Wie gehen die Knoten und Elemente am besten von der Hand, welche funktionalen Schritte benötige ich für Perlen, usw. Wieder einmal ging ich einer Handarbeits-Technik auf den Grund.
Als nächstes … kramte ich mein Knips Täschchen hervor! Und ich begann, mit Schiffchen und Nadel und Glasperlen zu experimentieren. Schon bald stellte ich fest, wie inspirierend, intuitiv und kreativ ich in Nadelocchi die Perlen einarbeiten konnte. Meine Erfahrungen mit Glasperlen spiegelten sich in meinen Ideen. Ich durchstöberte die umliegenden Handarbeitsläden und Märkte nach Baumwollgarnen und entdeckte auf einem türkischen Markt auch schimmernde Polyestergarne.
Meine Technik Perl-na-o-fe
In den Jahren 2005-2007 entwickelte ich mit großer Begeisterung meine Technik Perlnaofe, um Glasperlen in Nadelocchi für die Schmuckherstellung einzuarbeiten. Ich konnte nichts Vergleichbares in der Occhi-Literatur finden, das Glasperlen-Schmuck mit Schiffchenocchi oder Nadelocchi in der Weise, wie ich ihn kreierte, beschrieb. Deshalb entwickelte ich meine eigene einfache Symbolschrift, sowie Begriffe zur Erklärung und Benennung meiner Techniken. Jedes Symbol erklärt auf einen Blick, welche Schritte in Nadelocchi gemacht werden, und wie die Perle eingearbeitet wird.
Durch die Begegnung mit Occhi-Begeisterten wurde ich ermuntert, meine ersten Werke und meine Techniken auf der internationalen Occhi-Ausstellung in Horstmar zu präsentieren.
So entstanden aus meinen vielen Notizen detaillierte Anleitungen für meine Nadelocchi-Techniken und meine Perlnoafe-Techniken.
In den Namen Beanile und Ankars stehen die Buchstaben stellvertretend für die Namen der Frauen, die diese beiden Techniken entworfen haben (Beanile: Beads Nina Libin, Ankars: Vornamen mehrerer Frauen). Diesen wollte ich Ehre gereichen und gestaltete den Namen meiner Technik ähnlich:
Perlnaofe bedeutet: Perlen in Nadelocchi nach Fette
Im Jahr 2006 unterrichtete ich zum ersten Mal meine Technik "Perlnaofe" für eine Gruppe perlenbegeisterter Frauen. Im Jahr 2007 veröffentlichte ich meine ersten Schmuckstücke auf der Internationalen Occhi-Ausstellung in Horstmar.
Besucher aus ganz Europa waren zu meiner großen Freude begeistert und erwarben meine ersten aufgeschriebenen Anleitungen. Das Interesse wuchs und so erschien im Jahr 2008 dann mein erstes Buch "Perlnaofe1 – Glasperlen-Schmuck mit Nadelocchi". 2010 erschien der 2. Band Perlnaofe 2 und wurde erstmalig auf der Occhi-Ausstellung in Achern vorgestellt.
All die vielen Fotos des Schmucks und der Technik-Schritte in den Büchern fotografierte ich selbst. Mein lieber Mann Jochen hat mit mir die Bücher liebevoll gestaltet und gesetzt. Darum produzierten wir die Bücher im Eigenverlag und nur in limitierter Auflage. Es sind zauberhafte Bücher entstanden – genau nach meinen Wünschen. Sie sollen Dich verzaubern, inspirieren und Dir alles erklären … bis Du verstehst, wie es geht.
Vielleicht kann ich Dich begeistern und Dir das Know-How vermitteln, um mit Glasperlen und Occhispitze zu zaubern. Kreiere Deine ganz persönlichen Ideen, ob als Kartengruß, als Fensterhänger, oder als Schmuckstück auf einer Tasche/Jacke oder an Dir.
Und das Knips-Täschchen? Das gibt es noch. Aber es beherbergt nun viele bunte Stickstränge, einige noch von meiner Oma … bis heute.
Und die ersten Occhi-schiffchen von Sigma? Die gibt es auch noch ... in meiner Schiffchensammlung. Aber ich bevorzuge heute Schiffchen, die eine Nase oder einen Häkelhaken tragen.
Und meine allerersten Perlchen? Die hatte ich schon als 8-Jährige. Ich erinnere es noch genau, in einem Sommerurlaub in Holland, ist mein lieber Papa extra noch zu dem Ort zurückgefahren, wo man in einem kleinen Laden diesen einen Beutel mit vielen kleinen bunten Rocailles kaufen konnte. Und damals habe ich sie dann zu einer schlichten seeeeehr langen Kette aufgefädelt, die mehrmals um den Hals getragen werden konnte …
… immer eine Perle auf einem Faden und immer einen Faden in einer Nadel
grüßt Dich herzlich
Gunhild
Perlnaofe-Occhi-Bücher wieder lieferbar!
Aufgrund der großen Nachfrage sind meine Bücher Perlnaofe 1 + 2 wieder verfügbar. Kombiniere die alte Spitzentechnik Occhi (Schiffchen oder Nadel) mit glitzernden Glasperlen zu wunderschönem Schmuck.
